Glasmalerei - Licht Farbe Form -  CHARTRES

Chartres - Glasfenster Notre Dame
Chartres - Glasfenster Notre Dame

Kathedrale von Notre Dame Chartres, größte Farbfenster aus dem 12. Jahrhundert, Weihnachtsszenen
Von Jean-Baptiste-Antoine Lassus, Eugène-Emmanuel-Amaury Pineu-Duval et Adolphe-Napoléon Didron, Paul Duran. - Monographie de la Cathédrale de Chartres - Atlas, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47285145

Restaurieren von beschädigten Gläsern - Material und Technik - Grisaille Mittelalter

Wer hätte vor 100 Jahren gedacht, dass die größten Künstler Kirchenfenster gestalten? Moderne dazu?
Für einen geborenen Maler ist dies wie ein unerwartetes Geschenk: 

Solche Farben wie durch ein Fenster sind sonst nicht zu gestalten, mit Buntglas, Halbedelsteinen usw. 
Immer sind interessierte Betrachter da, nicht wie in einem Museum, wo Direktoren Bilder auch umstellen.
Wenn ein Künstler Ehrlichkeit und kreativen Willen mitbringt, braucht es keinen Tauf- oder Eheschein.
Es gibt Künstler, die sich gerade ein Kirchenfenster in einem inneren Kampf abgerungen haben - das passt!
Wo kann ein Künstler auch einmal ein so großes Bild malen, das zudem den Raum beleuchtet und formt?
Und Kirchenfenster machen oft von sich reden, den Künstler interessant, eine Kirche bekannt, 
sie sind lebendiger Glaube, sie geben dem Gebet Farbe und dem Gottesdienst Form und Anregung.

Nachdem sich Auftraggeber und Künstler vor Ort ein genaues Bild gemacht haben, lese ich in einer Anleitung:  "Der farbige Entwurf eines Fensters in reduziertem Maßstab (meist 1 : 10), muss erkennen lassen, wie der Künstler das fertige Fenster zu gestalten gedenkt : im Detail werden Figuren und dekorative Elemente dargestellt, wobei die Farbverteilung und das Bleinetz sowie das Eisenwerk, das später die unterschiedlichen Fensterfelder zusammenhalten wird, angelegt werden. Der Entwurf muss hinreichend präzise sein, damit er durch Quadrierung oder photographisch vergrößert werden kann." Gefunden bei CHARTRES, Centre international du vitrail.

Das Glas als Material und die vielen Arten der künstlerischen Behandlung lassen einen Laien schwindlig werden. Da gibt es Glass in vielen Varianten, es gibt Bemalung oder Ätzen, Brand bei gut 600 Grad - und jede Künstlerhand ist so verschieden wie der Künstlerkopf und sein Herz für Glasmalerei. Es braucht viel Wissen um Tradition und Technik, zugleich aber für die künstlerische Freiheit in Farbe und Form. Alle hier gezeigten Bilder möchten die Neugierde für diese Schönheit wecken - solches Lichtspiel erschließt sich vor allem in der Betrachtung und Meditation.

Wallfahrtsort Neviges

 Brutalismus einer Kirche
und Wunder ihrer großen Fenster


1968 hat der Kölner Architekt Gottfried Böhm den Mariendom von Velders/Neviges entworfen und den Bau begleitet und bis in die Details fertiggestellt. "Ein Prototyp fürs Beten im Brutalismus einer Kirche" - wobei "brutal" in diesem
Sinn vom französischen béton brut kommt, roher Beton - beim Sekt auch sec oder dry oder trocken genannt. Heute ist dieser schmutzanfällige Beton eine Erinnerung an die Nachkriegszeit.

Der Wallfahrtsleiter Franz Krampf OFM erklärt: "Ein gepflasterter Weg mit langgezogenen Stufen führt leicht bergauf zu jener Kirche, die eigentlich "Maria, Königin des Friedens" heißt. Gesäumt wird der Weg von wellenartigen Betongebäuden, in denen Pilgerräume und ein Kindergarten untergebracht sind.

Wenn man die Kirche betritt, steht man in einem dunklen Vorraum mit niedriger Decke. "Das ist auch ein Teil der Architektur, der Eingangsbereich ist der dunkelste Ort der Kirche. Und das Licht soll hinführen zum Altar, dass eben der Altar der lichtvollste Punkt ist." Und dann faltet er sich plötzlich auf, dieser riesige Raum, bis hinauf in die Spitze des Betonzeltes.

Hier erst wird klar: Der Pilgerweg draußen mit dem Muster der Pflastersteine führt bis zum Altar im Zentrum des Kirchenraums. Drumherum die Sitzreihen. Ein Forum soll das sein, eine Art Marktplatz - und so sieht es auch aus. Die Emporen an den Seiten mit ihren Balkonen wirken wie die Häuser an einem städtischen Platz."
Fazit: ein trockenes (brut!) Betonspiel, das durch seine Fenster lebt.

"

Unauslöschlich prägen sich den Wallfahrern die Fenster ein, vor allem das Symbol Rose, Maria Rosenkönigin. Sie tauchen den Raum je nach Tageszeit in Farbe ein, wodurch auch neue kräftige Formen entstehen.

Marc Chagall einmal ungewohnt: 
Sonne, Mond und Sterne in Mainz St. Stephan